Wie das neue Reglement die Beurteilung verändern wird – Klassenübergreifender Elternabend

Ab dem Schuljahr 2021/22 ändert sich an den Schulen im Kanton Thurgau so einiges, was die Beurteilung und die Zeugnisse betrifft. Das Beurteilungsreglement wurde angepasst und verändert damit auch das Zeugnis, wie wir es bis anhin kennen in einigen Punkten.

Um die Eltern über diese Neuerungen zu informieren, lud die Primarschule am vergangenen Mittwoch, 27. April 2022 in der Turnhallte zum klassenübergreifenden Elternabend.

Erfreulicherweise fanden sich viele interessierte Eltern ein, um an diesem Abend nicht nur theoretisch über das Thema Beurteilungen informiert zu werden, sondern auch selbst einmal den Part des Beurteilenden zu übernehmen. Und wie sich herausstellte, ist dies gar nicht immer so einfach.

Unsere Schulleiterin Manuela Bärtsch führte gekonnt durch diesen Abend und bezog Eltern, Lehrer sowie die Schulbehördenmitglieder gleichermassen mit ein. Die Eltern erfuhren kompakt und abwechslungsreich, auf was es beim neuen Beurteilungssystem ankommt, was geändert hat und wie es nun weitergeht.

Doch was genau ändert sich nun mit dem neuen System, das spätestens 2024/25 an allen Schulen im Thurgau in Kraft getreten sein soll?

Fachübergreifende Kompetenzen

Schülerinnen und Schüler sollen in der Schule gefördert, gefordert und auch ganzheitlich beurteilt werden, um sich für die nächste Klasse, die nächsthöhere Schulstufe oder die Berufslehre zu qualifizieren. Und dazu braucht es eine umfassende Beurteilung, die weit mehr als nur die fachlichen Kompetenzen berücksichtigt. Auch überfachliche Kompetenzen, wie etwa Teamfähigkeit, Eigenständigkeit und Sorgfalt fliessen in die Beurteilung mit ein.

Coachingsgespräche

Bevor es jedoch zu einer Beurteilung kommt, bedarf es zuerst einmal Beobachtungen seitens der Lehrpersonen, die den Lernprozess des Kindes im Auge behalten und unterstützen. Diese Beobachtungen dienen als Basis für Rückmeldungen an das Kind oder Jugendliche und sollen zukünftig auch in Coachingsgesprächen umfassender berücksichtigt werden.

Das neue Bewertungssystem innerhalb des Schuljahres

Um den Aufbau und die Entwicklung der Kompetenzen der Kinder und Jugendliche beurteilen zu können, werden Lernziele definiert, die in grösseren Abständen in Form von Kompetenznachweisen überprüft werden.

Neu ist es den einzelnen Schulen selbst überlassen, wie und ob sie eine Benotung für die einzelnen Kompetenznachweise umsetzen wollen. Und diese müssen nicht, wie herkömmlich von 1-6 reichen, sondern können ganz unterschiedliche Bewertungssysteme umfassen – ob Punkte oder Farben, Worte oder Symbole – auch die Schule Uesslingen-Buch kann und muss sich überlegen, wie sie zukünftig die Beurteilung während des Schuljahres handhaben möchte.

Doch eines ist dabei ganz klar: Für die Gesamtqualifikation ist das Zeugnis am Ende des Schuljahres obligatorisch und besteht nach wie vor aus Schulnoten von 1-6, jedoch mit einigen kleinen Anpassungen.

Unterschiedliche Bewertungssituationen

Standortgespräche sind ein sinnvolles Instrument, um die Beurteilungen der Schüler:innen, die sich im Laufe des Schuljahres ergeben haben, aufzuzeigen, zu diskutieren und transparent zu machen.

Auch die Selbstbeurteilung der Schüler:innen ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, der ihnen die Möglichkeit geben soll, genauer über sich selbst und die eigene Leistung zu reflektieren und Verantwortung für das persönliche Lernen zu übernehmen.

Ebenso soll vermehrt auf die Peerbeurteilung, also die Rückmeldung anderer Schüler:innen, gesetzt werden, um das Beurteilen von beiden Seiten aus zu kennen und den dahinterliegenden Prozess zu verstehen.

Die Eltern übernehmen die Bewertung

Und genau das versuchten an diesem Abend auch die Eltern. Jeder Arbeitsgruppe wurden dafür 3 Zeichnungen von Schüler:innen, das Originalbild, welches sie abzeichnen sollten, sowie ein Zeichnungsauftrag präsentiert und der Auftrag erteilt, diese Arbeiten zu benoten und diese Beurteilung zu begründen. Schnell zeigte sich, dass es gar nicht so einfach ist, eine Arbeit zu beurteilen, selbst wenn ein Arbeitsauftrag schriftlich vorhanden ist.

Wo setzt man an, wie interpretiert man die einzelnen Kriterien, nach denen Lehrpersonen die Arbeiten beurteilen und auf welches Kriterium legt man den Fokus? Kann man rein objektiv eine Arbeit, vor allem in den musischen Fächern, beurteilen oder fliessen auch immer persönliche Vorlieben mit ein?

All dies und noch viel mehr wurde im Anschluss in der Gruppe diskutiert und so ein Verständnis dafür entwickelt, dass Beurteilung gar nicht immer so eine einfache Angelegenheit ist.

Und um als Schule etwas mehr über die Wünsche, Erfahrungen, Empfindungen und Bedürfnisse der Eltern und Erziehungsberechtigten in Hinblick auf die eigene Beurteilung und die ihrer Kinder zu erhalten, wurde zum Abschluss des Abends innerhalb der Gruppen noch einmal kurz darüber diskutiert und die wichtigsten Punkte festgehalten.

Wir danken allen Eltern für ihr Interesse und ihr Engagement an dieser Veranstaltung und diesem Thema. Sollten Sie Fragen zum neuen Beurteilungsreglement von Schülerinnen und Schülern der Volksschule Thurgau haben oder gerne genaueres erfahren wollen, wenden Sie sich gerne an unsere Schulleiterin Manuela Bärtsch oder die entsprechenden Lehrpersonen.